Samstag 20.12.08 Auf nach Djerba … der Flieger wartet nicht.
Uwe und Stefan machten sich mehr oder weniger direkt auf die Reise in Richtung Tunis.
Sie wollten dort für unsere letzte Nacht wieder ein richtiges „Top End“ – Hotel in Monastir suchen.
Für mich war der „kleine Schlenker“ über Djerba angesagt, denn Dany musste ja zum Flughafen.
Bei der frühen Fahrt durch die Berge, es geht ja da fast bis auf 600 Meter hoch, war die Landschaft in ein herrliches Licht gehüllt. Das ist so unbeschreiblich schön, dass man es nicht beschreiben kann, und auch die Fotos das nicht annähernd einfangen können.

Durch die defekten Bremsen war ich im Gebirge recht langsam unterwegs und wir konnten dieses Lichter- und Schattenspiel sehr ausgiebig geniesen.
Um nach Djerba zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten. Im Nordwesten gibt es eine kleine Fähre, die wir bei der Anreise benutzten. Da mir dies sehr riskant erschien, denn man hat die Wartezeit nicht so richtig in der Hand, sind wir bei der Hinfahrt über die zwar etwas weitere aber dafür kalkulierbare Brücke/Damm – Strecke im Südosten der Insel gefahren.
Um 11 Uhr waren wir am Flughafen, und konnten noch ein nettes Gespräch mit ein paar Globetrottern führen, die ihre Beifahrer abholen wollten und auf dem Weg nach Lybien waren.
Ich hab mich dann recht schnell verabschiedet, denn ich hatte ja noch eine gewaltige Strecke bis nach Monastir vor mir.
Ich habe die Strecke mit der Fähre benutzt. Da ich Glück hatte und als letztes Auto auf die nächste Fähre kam, kam ich auch schon um 12 Uhr auf dem Festland an.
Wenn ich so alleine beim Fahren bin und Uwe nicht in Funkreichweite ist, dann höre ich schon mal Musik. Da mein Musikgeschmack Querbeet geht habe ich festgestellt, dass sich die unterschiedlichen Musikrichtungen für die unterschiedlichen Streckenführungen eignen. So habe ich bei einer Landschaftlich reizvollen Gegend gemütlich meine „Topstars“ – Mucke gehört und konnte dabei die schöne Landschaft aber so richtig geniesen.
Im nächsten Musikordner schwenkt die Richtung dann mehr so in Richtung Trans und House um … die wiederum war genial um über die Landstraße zu heizen und einen Überholvorgang nach dem nächsten einzuleiten
Aber das nur am Rande …
Die Nebenstrecke nach Garbes, die ja bei unserer Anreise noch eine geile Piste war, war mittlerweile geteert … schade.
Auf der Hauptstraße von Garbes nach Sfax war wieder afrikanischer Verkehr angesagt. Das Überholen hier ist, wie ja bereits erwähnt, schon gewöhnungsbedürftig … aber macht Riesenspaß. Es wird überholt, egal ob durchgezogene Linie, ob Überholverbot oder ob der Gegenverkehr schon viel zu nah dran ist.
Aber nicht in Deutschland nachmachen … das funktioniert hier nur aus zwei Gründen. Erstens sind die Straßen oft kilometerlang kerzengerade, und Zweitens gibt es auf jeder Seite der Straße eine Schotterspur auf die der Gegenverkehr aufgeregt Lichthupe-gebend ausweichen kann wenn es zu eng wird.

Einmal haben wir sogar zu zweit nebeneinander überholt. Ich setz zum überholen an, eine ganze Kolonne LKW’s. Als ich neben dem ersten Fahrzeug war, ein Transporter, denkt der sich „ach ich will auch überholen“ … und zieht raus. Mir blieb dann nur die Flucht auf den Schotterstreifen und wir haben die LKW’s zu Zweit nebeneinander überholt (zumindest den ersten, danach hatte ich den Lieferwagen).
Und die Geschwindigkeitsbeschänkungen sind ähnlich … sie werden meist nur durch die Leistung des Fahrzeugs vorgegeben.
Es passiert hier aber recht wenig auf den Straßen. Ich denke weil jeder einfach mit allem rechnet.
Na ja eines unterscheidet mich beim fahren wohl doch noch von den Einheimischen … bei einem Überholvorgang, so mit durchgezogener Linie und Überholverbot, stand rechts keine 100 Meter danach eine Kontrolle. Die wollten zwar nichts von mir, aber mein Herz rutscht in so einem Fall immer noch bis in den Fußzeh runter
Um 17:30 bin ich dann im Hotel Habib angekommen. War ja kein Problem, denn ich hab die Koordinaten von Uwe und Stefan durchgegeben bekommen. Allerdings hatte ich ein paar Umwege in kauf genommen, weil ich mich fälschlicherweise an die Einbahnstraßenregelung gehalten habe.
Das Hotel war ein für uns angemessenes „Top End“ – Hotel, zu 40 EUR pro Einzelzimmer, natürlich inclusive Halbpension.
Beim Duschen gab es dann wieder den berühmten „AfterDune“-Effekt. Mit dem Sand der in der Dusche zurückblieb hätte man einen ganzen Kindersandkasten füllen können.
Abends gab es ein lecker Buffet, weil in dem Hotel auch gerade ein Kongress der tunesischen IEEE-Gremium abgehalten wurde.
Sonntag 21.12. Was bitteschön ist denn Warten?
Nach einem ausgiebigen Frühstück in unserem „Top End“ – Hotel machten wir uns zu einem kleinen Ausflug in die Stadt auf.
Zum einen wollte Stefan einen Dolch kaufen (welchen er aber nicht fand) und zum Anderen war meine Infektion im Ellenbogen jetzt mittlerweile zu einem richtig dicken Tennisball angeschwollen, so dass ich dringend Antibiotika brauchte … das gibt es hier in jeder Apotheke ohne Rezept für umgerechnet 8 EUR.
Kurz vor 11 Uhr machten wir uns dann auf den Weg nach Tunis zur Fähre.
Auf der Autobahn wurde doch tatsächlich mit der Laserpistole geblitzt, da wir aber gemütlich mit 100 unterwegs waren war uns das jetzt egal.
Geplante Abfahrt sollte um 18 Uhr sein und 4 Stunden vorher sollte man am Hafen sein.
Pünktlich um 13:30 Uhr liefen wir im Hafen ein. Da waren wieder eine menge Habibis, die uns in die Spuren eingewiesen haben und uns mit neuen Fichen versorgt haben … und für diesen Service natürlich entsprechende Entlohnung wollten.
Hier sei einmal festgehalten (vor allem deshalb, dass ich es vor meinem nächsten Tunesien Trip noch mal nachlesen kann … ich bin halt schon über vierzig und leicht vergesslich)
- die Spur sucht man sich am besten nach deren Füllgrad aus. Eventuell zuerst zu Fuß erkunden. Alle Spuren müssen später mal durch das kleine Tor zum Hafengelände.
- Die Fiche die man hier angedreht bekommt, sind absolut unnötig für die Ausreise. Sie werden definitiv nicht gebraucht und von den Freunden hier nur zwecks ihrer eigenen Umsatzsteigerung verteilt.
- Sollte man rechtzeitig im Büro der Fährgesellschaften (rechts von den Wartespuren, Eingang an der Stirnseite) seine Buchungsbestätigung in ein Ticket umtauschen.
Die ankommenden Fähren waren voll von Offroadern. Die Ruhe in der Wüste die wir erlebten wird es wohl jetzt bald vorbei sein. Eine Gruppe von italienischen Offroadern parkte an der Ausfahrspur auf unserer Höhe um auf Kollegen aus ihrer Gruppe zu warten. Beim umherschlendern blieben sie vor dem Sori stehen und erkundigten sich was für ein Fahrzeug das sein. Als ich es ihnen sagte, waren sie erstaunt und stellten Fragen, wollten alles erklärt und gezeigt bekommen. Auch Fotos wollten sie machen.
In einer Parallelspur stand noch ein Ferrari, über den wir auch ausführlich redeten und der nach Auskunft der Italiener (Ferrarispezialisten) höhergelegt war.
Es ist doch fast genauso einen Ferrari höherzulegen, wie einen Geländewagen tieferzulegen.
In jedem Fall sind es diese Gespräche, die die Wartezeit verkürzen
Irgendwann, nach 5 Stunden auf den Wartespuren kam ein wenig Hektik auf. Die meisten Autos waren wohl für die Fähre nach Marseille. Dazwischen hier und da ein Auto für die beiden Fähren nach Genua (Splendit und Cartage). Anscheinend sollten aber jetzt plötzlich die Fahrzeuge nach Genua schnell schnell (ha ha) auf die Fähren.
Hektisches Rangieren nach Anweisung von irgendwelchen nicht hafenangstellten Habibies. Quer über die Spuren. Plötzlich war Uwe weg.
Er konnte wenden und stand 4 spuren weiter drüben auf einer „etwas“ leereren Spur.
Dann winkt mich Einer umzudrehen. Er setzt sich zu mir ins Auto. Führt mich wieder aus dem Hafen raus, in irgendeine Seitenstraße rein. Scheucht Einheimische von der Fahrbahn, dirigiert mich zwischen chaotisch geparkten Autos durch. Doch plötzlich nach ca. 10 Minuten stand ich 5 Autos vor dem kleinen Tor zum Hafen.
Doch dann ging es los. Er wollte natürlich seinen Super-Service bezahlt bekommen. Ja ich war ganz froh über meine jetztige Position und bot ihm 5 Euronen an. Er wollte für seine Dienste aber 20 EUR, was ich deutlich überzogen fand. Bei 10 Euro „einigten“ wir uns unter lautstarkem Protest des Freundes.
Dann war ich endlich drin in einer der vielen Abfertigungsspuren. Zuerst bekam ich den Polizeistempel gegen Abgabe meines unteren Abschnittes des Personenfiche.
Weiter in der Spur zum Zoll, wegen dem Auto. Aber da war plötzlich kein Zöllner mehr. Auf allen Spuren um mich herum ging es vorwärts, nur bei mir nicht mehr. Es dauerte eine Ewigkeit bis er wieder da war. Dann noch schnell den Stempel in den Pass (
und dann hin zur Fähre. Es war nichts los … und so hat mich der Zöllner direkt an der Fähre noch mal kontrolliert und wollte in jede Tür schauen.
Im Bauch der Fähre war nichts los. Keine 20 Fahrzeuge und es sollten auch nicht viel mehr werden.
Ich habe dann schon mal wieder eine Kabine gebucht (genau so wie bei der Anreise … ohne Beleg
) und es mir gemütlich gemacht. Uwe und Stefan kamen fast zwei stunden später auf die Fähre … ich war da schon ein wenig weggenickt. Ich sag nur die 10 EUR haben sich gelohnt
Die Fähre startete ihre Überfahrt dann um 22:30 … schlappe 4,5 Stunden Verspätung … lächerlich im Vergleich zu den 9,5 Stunden auf der Hinfahrt.
Auf der Fahrt hat die Fähre dann noch ein Wenig gut gemacht. Wir kamen um ca. 18.30 an. 3 ½ Stunden zu spät … aber bis ich um 19 Uhr durch die Kontrolle kam war es aber zu spät um bei einem Kia-Händler Bremsbeläge zu kaufen.
Beim Zoll in Italien war alles kein Problem. Weil ich so ehrlich aussehe wurde ich einfach durchgewunken… da hätte ich ja ruhig meine Reservekanister mit tunesischem Diesel voll lassen können.
Die erste Etappe der Rückfahrt brachte mich bis nach dem Gotthard Tunnel, wo ich dann ab 23 Uhr ein kleines Nickerchen in meinem Sorento-Bett gemacht habe.
Um 4:00 Uhr fuhr ich weiter, um nach einem Zwischenstop bei meinen Eltern (zum Frühstück) meinen Dicken wieder in Dieburg zu parken.
Dort wird er jetzt erst mal neue Bremsbeläge und Scheiben bekommen damit er zum nächsten Einsatz beim Snowhillclimbing wieder fit ist … aber Moment mal: Bremsen ist im Schnee doch nicht angesagt … oder?
Nachwort zur Tunesien Tour 2008
- Schon kurz nach unserer Ankunft haben wir entschieden dass wir nächstes Jahr um die gleiche Zeit wieder nach Tunesien kommen, dann aber für 2 Wochen. Es ist einfach die ideale Zeit, denn ab Weihnachten beginnt der Run auf die Wüste und auf der Piste von Douz nach Ksar Ghilane wird dann wohl eher Kolonne gefahren.
Auf diese Weise dem vorweihnachtlichen Stress zu entfliehen ist wirklich genial und es gibt wohl keine schönere Art die vorweihnachtliche Ruhe wirklich zu erleben.
- Die Habibie’s (arabisch „mein Freund“) waren immer und zu jeder Zeit sehr freundlich zu uns. Es sind zwar einige dabei die zur persönlichen Umsatzsteigerung uns immer wieder Geld für irgendwelche meist unnötige Dienste aus der Tasche ziehen wollten. Aber das kann man ihnen ja auch nicht übel nehmen … sagen wir einfach dass sie „geschäftstüchtig“ sind und das ist ja kein Fehler
.
- Diese Tour war jetzt eine Gesamtstrecke von 3700 gefahrenen Kilometern. Davon rund 2000 in Tunesien. Das mag einigen recht viel vorkommen für eine Woche.
Aber es ist für mich sehr entspannend hier zum Einen auf der Piste mal zu heizen und die Freiheit zu geniesen, oder zum Anderen auch mal zu schleichen und die karge, unwirtliche Landschaft auf mich wirken zu lassen.
- Im Gegensatz zu meinen Touren in Rumänien oder Slowenien, gefällt mir die Landschaft einfach besser. Die Landschaft von Osteuropa ist der unseren einfach zu ähnlich (vielleicht mit der Ausnahme, dass dort mehr erlaubt ist).
Wie gewohnt gibt es noch mehr Bilder in der Gallerie zu der Tour nach Tunesien. Klick hier