Dez 17 2008

Von Djerba nach Douz …

Autor: Guido 21:27 Kategorie: Events

oder ab auf die Piste …

Dienstag    16.12   Stefan kommt an Bord und dann ab in die Wüste

Das Früstück im Hotel war super. So wie wir es uns für diesen Urlaub vorgenommen hatten eben „Top End“.
Bis zur Ankunft von Stefan (der vom Kühlschrank, hier nun Beifahrer von Uwe) war noch reichlich Zeit, denn nun kannten wir ja den Flughafen und wollten erst zur geplanten Ankunftszeit dort aufschlagen.
Die Zeit hat Dany dann genutzt um den extra eingepackten Bikini auch zu benutzen. Bei einer Wassertemperatur von vielleicht 15 Grad wollte sie unbedingt ins Meer.

Anschliessend konnte sie sich noch im 28 Grad warmen Thermalbecken des Hotels aufwärmen.

Wir kamen dann auch exakt zur geplanten Ankunftszeit des Fliegers am Flughafen an. Aber der hatte wie ein zweiter Flieger aus Nürnberg eine halbe Stunde Verspätung … und durch die Ankunft von zwei Fliegern zur gleichen Zeit dauerte die Abfertigung natürlich auch noch ewig … Aber das war ja kein Problem, wenn wir eines zu Genüge gelernt hatten war es … Warten.

Über die Neubaustrecke Flughafen – Fähre konnten wir es so richtig krachen lassen. Die Stecke gibt es wohl seit einiger Zeit, aber sie war noch immer Piste … der Teer fehlte noch.
An der Fähre zum Festland war diesesmal aber wieder was Bekanntes angesagt … Warten.

Für die Strecke nach Douz haben wir dann einige Abkürzungen genommen, die annähernd Rallyecharakter hatten. Eine recht unebene Piste mit den typischen Queetdurchquerungen und im Gebirge eine Strecke mit sehr starken Ausspülungen waren auch dabei. So konnten wir uns schon richtig einstimmen.

Mittlerweile wurde es auch dunkel und wir mussten mit Licht fahren. Da meldete sich Uwes Lichtmaschine immer öfter und bei hohem Strom wollte sie trotz klopfen überhaupt nicht mehr. Das konnte ja noch heiter werden.

In Douz haben wir dann unser Lager im „Top End“ – Hotel Tuareg bezogen. Das Doppelzimmer mit Halbpension zu umgerechnet 76 EUR.
Wir waren allerdings fast die einzigen Gäste, so dass sowohl Frühstück als auch Abendessen nicht in Buffetform waren. Abends gab es ein 4 Gänge Menue.

Mittwoch 17.12  Sandrosen abgebrochen und was der ADAC damit zu tun hatte.

Da Uwe’s Lichtmaschine jetzt immer schlechter und weniger funktionierte, kam Uwe auf die Idee den ADAC in Anspruch zu nehmen, dessen Schutzbrief ja auch in Mittelmeeranrainer Ländern gilt und den Ersatzteilversand organisiert.
Naja dem Mitarbeiter musste Uwe zuerst mal Nachhilfe in Erdkunde geben und erklären, wo Tunesien auf der Landkarte zu finden sei und dass es sehr wohl ans Mittelmeer angrenzt.
Endlose Telefonate folgten, sowohl mit dem ADAC in Deutschland als auch mit dem ADAC in Tunis.
Wir haben uns alle sehr über den ADAC aufgeregt weil er uns diesen Tag so richtig versaut hat, so dass es einfach ein Muss ist, dies ausführlich zu erzählen.
Die sturen Richtlinen des ADAC hätten für Uwe’s Problem nur eine Vorgehensweise zugelassen. Der Jeep hätte in die nächste Vertragswerkstatt (vermutlich in Tunis – 600 km) geschleppt werden müssen, da eine Vertragswerkstatt den Fehler bestätigen muß. Dann hätte man eventuell den Versand der Lichtmaschine organisiert, Uwe hätte 3 Tage das Hotel bezahlt bekommen, eventuell den Heimflug und den Heimtransport des Jeep’s.
Dabei wollte Uwe nur dass sie den Versand der Lichtmachine bis Freitag nach Douz organisiert hätten. Um den Einbau hätten wir uns hier vor Ort selbst gekümmert. Diese Variante war dem ADAC aber wohl zu billig.
Hier in Afrika geht das halt nicht so wie in Europa, dass man an jeder Ecke eine Fachwerkstatt findet. Der ADAC sollte dann doch besser diese Leistung aus seinem Programm streichen, denn mit deutscher Bürokratie läuft hier eben nicht so viel.
Durch die endlosen Telefonate vergeudeten wir Stunden und auf den Anruf des tunesischen ADAC warteten wir den ganzen Tag vergeblich. (es sei vorweggenommen, dass dieser Anruf am Freitag abend dann kam)
Durch die Unflexibilität des ADAC’s mussten wir uns eben selbst helfen. Wir fuhren bei einer Schrauberwerkstatt in Douz vorbei und vereinbarten einen Termin für 16 Uhr zum Ausbau der Lichtmaschine und machten uns auf in Richtung Sandrosen. Nach 40 km Teerstraße kam der Einstieg ins Gelände, welches überwiegend aus harten Pisten, Sandpisten und kleinen Sandhügelchen bestand.
Auch habe ich bei dieser Tour feststellen müssen, dass man auf einem Track durch ein Chott besser nur auf der Piste wenden sollte, auch wenn es verlockend ist einfach eine große Schleife zu fahren ;-)

Dank der Sperren und weil es doch noch etwas trug, kam ich ohne fremde Hilfe wieder raus.

Wegen des späten Starts unserer Tour und wegen dem Termin bei den Schraubern mussten wir unsere Tour ca. 11 km vor dem Ziel abbrechen und zurück fahren.
Beim Schrauber angekommen machten sich der Chef und sein Lehrling sofort an den Ausbau der Lichtmaschine.
Weil in der Nähe kein passender Parkplatz mehr zu finden war, habe ich meinen Dicken einfach Afrikanisch abgestellt.

Um die schwer zugängliche Spannschraube für den Keilriemen zu lösen hatten die Schrauber nicht wirklich das passende Werkzeug. Als ich dann schnell meinen 13 er Ringratschenschlüssel holte mit dem es wesentlich besser ging, waren die beiden so begeistert, dass sie alle 13er Schrauben mit diesem Schlüssel öffneten.
Uwe war zeitweise sehr besorgt und entnervt … aber das gehört eben dazu ;-)

Als die Lichtmaschine ausgebaut war, haben wir sie zerlegt um an die Kohlen zu kommen. Das wollte der Mechaniker nicht machen, weil es die Aufgabe des Elektrikers sei.
Vom Lehrling, den Kohleträger in der Hand, bin ich dann zu einem Ersatzteilhändler geführt worden. Ich war zwar skeptisch aber wir suchten uns aus der großen Auswahl annähernd passende Kohlen aus.
3,5 Dinar, das sind ungefähr 2 EUR. Da kann man ja nicht viel falsch machen.

Danach ist der Lehrling dann mit mir zum Elektriker gefahren. Als sich der mit dem Lötkolben am Kohleträger zu schaffen machte, dachte ich dass jetzt alles zu spät ist. Aber er lötete die alten Kohlen aus, feilte die neuen Kohlen passend und baute diese ein. Er war knapp eine Stunde mit dieser Arbeit beschäftigt.
Ich war zwar der Meinung die neuen Kohlen seinen zu lange und er sollte sie etwas kürzen, aber mangels Französischkenntnissen blieben die Kohlen eben lang.
Ich war aber superbeeindruckt, wie der Elektriker mit seinem Lehrling diese Kohlen ausgetauscht hat. Und der Preis … kaum zu glauben auch 3,5 Dinar.

Zurück beim Mechaniker wurde die Lichtmachine wieder zusammengesetzt. Allerdings gab es dabei Probleme … die Kohlen waren zu lang.
Eine Feile wäre jetzt nicht schlecht … zum Glück hatte Dany eine Nagelfeile dabei (das war so eine Einwegnagelfeile, die ich in einem Hotel mitgenommen hatte). Wir vier schauten uns an, mussten alle sofort laut loslachen … da war doch was mit einer Nagelfeile auf der Tuareg 2007 (brachte einem Beifahrer im gelben Toyo doch einen Spitznamen ein)
Nach langer Feilarbeit, und Fluchen des Mechanikers, das sei doch eigentlich die Aufgabe des Elektrikers, konnte dann die Lichtmaschine wieder eingebaut werden.
Kaum war der Cherokee gestartet und alle nur erdenklichen Verbraucher eingeschaltet, stand sofort fest … das Ding tut wieder. Alle klatschten Beifall. Und die Rechnung vom Mechaniker, für gut drei Stunden Arbeit zu zweit … 50 Dinar… rund 30 EUR
Dann kam der Mechaniker noch mit einer Bitte zu uns. Er wollte eine Probefahrt auf dem Beifahrersitz machen … aber nicht wie jetzt viele denken mit dem von ihm reparierten Auto … nein mit meinem Dicken ;-)
Er zeigte mir einen kurzen Weg aus der Stadt hinaus und ab ging es mit Vollgas eine kleine Runde.

Am Schluß sagte er noch, dass er für den Cherokee einige Ersatzteile (Antriebsachsen,  Querlenker etc.) hätte. Ein Schaden sollte also kein Problem sein.
Zu mir sagte er nur: “Fahr etwas vorsichtiger, denn für den Kia hab ich keine Ersatzteile” ;-)

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